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Was ist Kanupolo?

Spritzendes Wasser, wirbelnde Paddel wendige Boote und ein fliegender Ball: Das ist Kanupolo, das Mannschaftsspiel des Kanusports.
Kanupolo ist ein schneller Ballsport und lässt sich grob als eine Mischung aus Wasserball und Basketball im Kajak beschreiben. Die einzigartige Kombination von Ball Boot und Wasser einerseits sowie von Kampf, Technik und Athletik andererseits macht diese Sportart insbesondere für Jugendliche interessant und attraktiv. Doch auch Kanusportler aus anderen Disziplinen und Nicht-Kanuten begeistern sich zunehmend für diesen Mannschaftssport.
Kanupolo liegt im Trend aber neu ist dieser Sport nicht. Er gehört zu den Wettkampfdisziplinen des Kanusports mit offiziellen Regeln und Wettkämpfen: Schon 1927 wurden die ersten Deutschen Meisterschaften durchgeführt. Heute gibt es verschiedene Wettkampfklassen für Damen und Herren, Junioren, Jugendliche und Schüler. 1995 wurde die Kanupolo-Bundesliga eingeführt, in der die zwölf deutschen Top-Mannschaften an fünf Turnier-Spieltagen den Deutschen Meister ermitteln. Auf internationaler Ebene finden im jährlichen Wechsel Europa- und Weltmeisterschaften mit stetig zunehmenden Teilnehmerzahlen statt. Die Mannschaften des Deutschen Kanu-Verbandes gehören zur absoluten Weltspitze und konnten schon mehrere Titel erringen.

Kanupolo-Regeln

Kanupolo wird mit genormten Kajaks aus Polyethylen oder glasfaserverstärktem Kunststoff gespielt. Das Spielfeld ist 35 x 23 m groß, als Wasserfläche kommen Seen, Flüsse, Hallen- oder Freibäder in Frage. An den kurzen Seiten des Feldes befindet sich jeweils in zwei Meter Höhe ein 1,5 x 1 m großes Tor. Jede Mannschaft besteht aus fünf Spielern und maximal drei Ersatzspielern die jederzeit eingewechselt werden dürfen. Als Bälle kommmen Wasserbälle verschiedener Größen zum Einsatz. Sie dürfen von den Spielern mit der Hand geworfen oder mit dem Paddel geschlenzt werden.
Die normale Spielzeit beträgt 2 x 10 Minuten mit einer dreiminütigen Halbzeitpause. Bei einem Unentschieden in Entscheidungsspielen wird das Spiel um 2 x 3 Minuten verlängert. Ist auch dann keine Entscheidung gefallen, werden "Penaltys" geworfen.
Zu Beginn einer Spielzeit liegen die Spieler der Mannschaften mit dem Heck ihres Bootes auf den jeweiligen Torlinien. Mit dem Anpfiff wird- der Ball in die Mitte des Spielfeldes geworfen und je ein Spieler jeder Mannschaft sprintet los, um in Ballbesitz zu gelangen.

Im Spielverlauf kommt es weiterhin zu Eckbällen oder Abwürfen (Ball hat das Spielfeld an der Torlinie verlasssen), Einwürfen (Ball hat das Spielfeld an der Seitenlinie verlassen) und Schiedsrichterbällen (Unklarheit über Ballbesitz).
Als Torwart gilt derjenige Spieler, der direkt unter dem zu verteidigenden Tor liegt und sein Paddel hoch hält. Er darf zu diesem Zeitpunkt nicht von einem gegnerischen Spieler attackiert werden. Im Spielverlauf kann somit jeder der Spieler die Position des Torwartes einnehmen.
Das Spielgeschehen wird von zwei Schiedsrichtern überwacht, die an den Seitenlinien des Spielfeldes agieren. Sie ahnden Spielverstöße mit einem Pfiff und zeigen die Spielrichtung sowie die Art des Verstoßes mit speziellen Handzeichen an.

U.a. werden folgende Verstöße geahndet:

  • Unerlaubter Gebrauch des Paddels: z.B. Gefährden des Gegners durch den Einsatz des Paddels
  • Unerlaubter Angriff auf ein Boot: z.B. hartes Anfahren und Gefährdung des gegnerischen Spielers
  • Behinderung: wenn ein Spieler mit seinem Boot versucht den Gegner am Spiel zu hindern.
  • Festhalten des Gegners mit Hand, Arm oder Paddel
  • Unerlaubter Ballbesitz: z.B. Halten des Balls länger als 5 Sekunden; Halten des Balls auf dem Bootsdeck oder der Spritzdecke.
  • Falsches Auswechseln.
  • Unsportliches Verhalten: z.B. Behinderung eines gekenterten Spielers; Absichtliche Spielverzögerungen

Die Schiedsrichter können entsprechend der Härte bzw. der Häufigkeit der Vergehen Strafen oder Kombinationen von Strafen für unerlaubtes Spiel verhängen.

Mögliche Strafen sind

  • Freischuss direkter Wurf, d.h. es kann sofort auf das Tor geworfen werden
  • Penalty Strafwurf aus 6 m auf das unverteidigte Tor
  • Grüne Karte (Verwarnung)
  • Gelbe Karte (Zeitstrafe - für 2 Minuten muss in Unterzahl gespielt werden)
  • Rote Karte (Spielausschluss die Mannschaft wird dezimiert)

 

Kanupolo - der Mannschaftssport

Der Umgang mit Ball, Boot und Wasser im Zusammenhang mit Kampf und Athletik erfordert vom Spieler hohe Verantwortung und Teamfähigkeit. Gefragt sind:

  • physische Leistungsfähigkeit
  • Maximalkraft / Schnellkraft
  • Kraft, Ausdauer und Kondition

Koordinationsfähigkeit
Viele unterschiedliche Aufgaben müssen beim Kanupolo koordiniert werden:

  • Mit welchen Bootsbewegungen erreiche ich am schnellsten mein Ziel?
  • Wie spiele ich den Ball? Mit der Hand oder dem Paddel, rechts oder links?
  • Wie behalte ich die Spielübersicht?

Teamfähigkeit
Kanupolo besteht nicht nur aus Kraft und Ausdauer, das Spiel kann nur mit taktischen Überlegungen gewonnen werden. Das heißt, man muss jederzeit bereit sein, einem anderen Teammitglied zu helfen. Denn nur gemeinsam kann man Strategien entwickeln, die zum Erfolg führen.

Gleichgewichtssinn
Da ein Poloboot durch Paddelbewegungen, Wellen, Einwirkungen des Gegners oder das Fangen des Balls kentern kann, muss ständig das Gleichgewicht gehalten werden. Dies erfordert den Einsatz des gesamten Körpers.

Schulsport
Die Möglichkeit, diese Fähigkeiten zu fördern und den Sport praktisch überall ausüben zu können, wo eine Wasserfläche zur Verfügung steht, machen Kanupolo zum idealen Schulsport. Es wird daher an immer mehr Schulen angeboten.

Kanupolo spielen

Kanupolo hat in Deutschland mehrere Tausend Anhänger und wird bundesweit in über 100 Vereinen betrieben. Darüber hinaus gibt es etliche Schul- und Hochschulmannschaften.
Kanusportler aus anderen Disziplinen wechseln gern zu diesem Mannschaftssport, aber auch Anfänger sind in den Vereinen stets willkommen. Kanupolo wird von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen gespielt. Kinder sollten mindestens 10 Jahre alt sein. Wer Kanupolo betreiben möchte, muss schwimmen können und sportgesund sein. Ansonsten sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Selbst die Frage der Ausrüstung braucht niemanden abzuschrecken: Sie wird in der Regel von den Vereinen gestellt.