Rennsport-Berichte
Schlag für Schlag zum Erfolg
Neuburger Rundschau vom 28.08.2009von Uta Baumann

Neuburg
Ziemlich kippelig sieht der schwarze Rennkajak aus, der am Bootssteg vor dem Donau-Ruder-Club Neuburg (DRCN) liegt. Gerade mal 44 Zentimeter misst das 6,50 Meter lange Boot aus Carbonfasern an der breitesten Stelle. Mit einer geschickten Bewegung sitzt Simon Schneider im Boot und paddelt auch schon davon. Bei dem 1,91 Meter großen, durchtrainierten jungen Mann sieht das so einfach aus. Mit seinen 18 Jahren zählt Simon zu den großen Hoffnungsträgern des DRCN. „Von Simon werden wir auf jeden Fall noch was hören“, ist Vereinschef Rüdiger Graf überzeugt.
Vor vier Wochen nahm Simon das erste Mal bei einem internationalen Wettkampf teil. Bei den Kanu-Marathon-Europameisterschaften in Polen erkämpfte er sich zusammen mit seinem Partner Mathias Cesarek (MTV München) im Kajak-Zweier der Herren Junioren einen Platz im vorderen Mittelfeld. „Das ist wirklich enorm, was Simon für Neuburg geleistet hat“, bewertet Graf diese Leistung.
Nächstes Jahr wird der 18-Jährige in der so genannten Leistungsklasse sich auch gegen „die ganz Großen“, wie er selbst sagt, behaupten müssen. „Das werden drei harte Jahre werden. Da muss man sich nur quälen“, schätzt der Neuburger seine Situation realistisch ein. Doch das erklärte Ziel steht fest: eines Tages im Trikot der Deutschen Nationalmannschaft an den Start zu gehen. Dafür trainiert Simon, der mit zehn Jahren zum ersten Mal im Kajak saß, täglich zwei bis drei Mal - 16 bis 20 Stunden in der Woche.
Seit einem Jahr spult Simon seine Kilometer nicht mehr auf der Donau ab, sondern trainiert mit einer Gruppe von vier bis fünf Kanuten auf der Ruderregattastrecke in Oberschleißheim. Der Umzug in die Nähe von München war allerdings in erster Linie eine berufliche und weniger eine sportliche Entscheidung.
Seit September 2008 macht Simon am Staatsinstitut in Freising eine Ausbildung zum Förderlehrer für Grund- und Hauptschulen und beweist auch da seinen Ehrgeiz. Aus 175 Bewerbern war er einer der 30, die für die Ausbildung genommen wurden. „Es gibt auch ein Leben nach dem Sport,“ sagt Simon, der einmal die Woche eine Jugendgruppe trainiert. Dass er an der Olympia-Regattastrecke von 1972 ideale Trainingsvoraussetzungen hat, war nur ein „praktischer Nebeneffekt“.
Den nutzt er dafür umso mehr aus. Simon wohnt direkt an der Regattastrecke. Sein 20 Quadratmeter großes Zimmer liegt über den Bootshallen. Viel Komfort gibt es nicht. Mehrere Kanuten und Ruderer nutzen die Wohnmöglichkeiten direkt an der Strecke und teilen sich Küche und Gemeinschaftsduschen. Simon ist damit zufrieden. „Ich fühle mich wohl.“
Nur wenige Meter von ihm entfernt wohnt Ruderweltmeister Marcel Hacker. Mit dem Sportler, von dem viele sagen er sei ein schwieriger Typ, kommt Simon sehr gut aus. Bei dessen ehemaligem Trainer Andreas Maul hat sich Simon schon so manche Trainings- und Ernährungstipps geholt. Das Vorurteil, dass Ruderer und Kanuten nicht so recht miteinander auskommen, widerlegt der Neuburger gleich mehrfach. Zwischen Ruder- und Kanubooten lernte Simon an der Regattastrecke seine Freundin Marina kennen - eine Ruderin. An Land verstehen sich die beiden Leistungssportler prima. „Nur auf dem Wasser nicht. Da muss ich ihr als Kanute immer ausweichen“, sagt Simon und grinst.

