Berichte DRCN
Fast immer auf der Welle des Erfolgs
Donau Kurier vom 27.08.2009Neuburg (DK)
Beim Donau-Ruder-Club Neuburg (DRCN) laufen die Vorbereitungen schon auf Hochtouren, denn am Sonntag wird das 90-jährige Bestehen groß gefeiert. Dabei kann der Verein auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Bild: Mitte der 50er Jahre fuhr die Mannschaft des Ruderclubs so auf Wettkämpfe und Meisterschaften.
Und die beginnt 1919 in diesem Jahr wird der Donau-Ruder-Club Neuburg gegründet, mit Gottfried Müller als erstem Vorsitzenden. Das Bootshaus, in dem sich heute die Vereinsgaststätte befindet gibt es noch gar nicht, es wird erst im Jahr 1925 gebaut. Die Kajaks und Kanadier, damals noch aus Holz und nicht wie heute aus Hightech-Kunststoff oder Carbon, lagern in einem Raum im Graf von Moyschen Gebäude auf der Donauinsel. Mitte der 20er Jahre erringen die Paddler des DRCN dann ihre ersten Erfolge.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 beginnt die wohl bitterste Zeit für den Verein: fast alle aktiven Mitglieder werden zum Militär eingezogen. Viele kehren von den Schlachtfeldern nicht mehr zurück. Die nächsten Jahre wird der Verein auf Regatten nur noch von der Jugend vertreten. Hart trifft es den Club noch einmal gegen Ende des Krieges: Bootshaus und Landetreppe werden schwer beschädigt, 37 Boote werden komplett zerstört, auch die Bootshütte in der die Kanus untergebracht sind übersteht die Kampfhandlungen nicht.
Wiederzulassung 1946
Bereits ein Jahr nach Kriegsende, 1946, erwirkt der DRCN unter seinem Vorsitzenden Fritz Grün die Wiederzulassung des Vereins. Die Arbeiten zum Wiederaufbau des Geländes ziehen sich über die nächsten Jahre hin: Kanus werden repariert, die Bootshütte wieder aufgebaut und ein neuer Flaggenmast errichtet.
In den 50er Jahren wird eine junge Rennmannschaft aufgebaut, die zahlreiche Erfolge erringt. Die Mitgliederzahlen steigen in den folgenden Jahren stetig an. 1968 wird schließlich angebaut, weil man mehr Platz zur Unterbringung der Boote braucht. Heute befinden sich in dem Gebäude unter anderem Büroräume und die Sauna. Doch auch der Anbau kann bald nicht mehr genügend Material fassen, deswegen beginnen 1976 die Bauarbeiten an einer neuen Bootshalle, die 1978 fertiggestellt wird. Diese ist auch heute noch in Betrieb. Um die 250 Kajaks und Kanadier warten dort auf ihren Einsatz.
Einen weiteren Schicksalsschlag erleidet der Donau-Ruder-Club 1999, als das Hochwasser das gesamte Vereinsgelände und die Gebäude überschwemmt. Über ein Jahr dauern die Aufräum- und Renovierungsarbeiten. "Das wird uns wohl leider alle paar Jahre wieder treffen", sagt Vereinschef Rüdiger Graf.
Ansonsten steht der Ruder-Club inzwischen wieder gut da: Probleme mit dem Nachwuchs wie im Moment bei vielen anderen Vereinen gibt es hier nicht. Von den aktuell 478 Mitgliedern sind 94 unter 18 Jahren. Die Mitgliederzahl steigt seit Jahren kontinuierlich. "Den größten Zulauf haben wir durch Mundpropaganda", weiß Graf. Das jüngste Mitglied ist gerade einmal neun Monate, das älteste 84. Am längsten im Ruder-Club mit dabei ist Paul Huber senior, er ist Mitglied seit Januar 1941.
Auch finanziell schaut es bei den Paddelfreunden gut aus, schließlich betreiben sie den offiziellen Neuburger Campingplatz. Damit steht dem Club eine Geldquelle offen, die andere Vereine nicht haben. "Das meiste stecken wir in die Jugendarbeit", sagt Graf.
Großes Angebot
Das Ruderangebot des Vereins besteht aus vier Säulen: dem Kanurennsport, Kanupolo, Wildwassersport, Wandersport. Das derzeit erfolgreichste Mitglied ist der 18-jährige Simon Schneider. Er war vor kurzem bei der Kanurennsport-Marathon-EM in Polen dabei und trainiert derzeit in München an der Ruderregattastrecke.
"Vor allem die Vielseitigkeit macht den Reiz des Ruder-Clubs aus", meint Graf. "Wir können unseren Mitgliedern zumindest teilweise das Material stellen." Immerhin schlägt ein modernes viersitziges Rennboot aus Carbon mit satten 14 000 Euro zu Buche, ein Einsitzer noch mit 4000 Euro. Die Mitglieder können außerdem in der Bootshalle ihre Kanus lagern und sich im Winter in der Sauna aufwärmen. Für die meisten ist aber das Fahren in der Gruppe das wichtigste am Verein. "Bei uns zählt vor allem das Gemeinschaftsgefühl", sagt Graf. "Wir fahren ja bei Wettkämpfen meistens gleich das ganze Wochenende weg."
Von Sebastian Peterhans

